Ein Wohnblock als Denkmal der Arbeit

Gepostet am Aktualisiert am

Von Ute Vetter
(Frankfurter Rundschau, 18. März 2010)

Der Monumentalbau am Hanauer Hafen wurde einst als Unterkunft für Angestellte und Beamte errichtet – 1924 galt die Anlage mit Etagenheizungen und Badezimmern als Nonplusultra an Komfort. Foto: Monika Müller

Der Hafenplatz markiert die historische Einfahrt zum Mainhafen von Hanau, dem zweitgrößten am Fluss. Er ist der südlichste einer Reihe von Plätzen, die sich fast axial von Nord nach Süd durch Alt- und Neustadt ziehen: Schlossplatz, Altstädter Markt, Freiheitsplatz, Neustädter Markt, Französische Allee.

Den Hafenplatz dominiert ein monumentaler Wohnblock, der ihn mit drei Flügeln umfasst und sich nach Westen mit einem vierten Flügel entlang der Westerburgstraße bis zur Canthalstraße erstreckt. Die imposante Wohnsiedlung war einst für Arbeiter, Angestellte und Beamte im Hafengebiet konzipiert worden. Dieser Wohnblock wurde um 1924 errichtet. Die Mittelachse aller den Platz umfassenden Gebäude öffnet sich zu einem Tor, das die Hafeneinfahrt darstellt.

Die Anlage wurde als monumentales „Denkmal der Arbeit“ gestaltet: Zwei Kolossalfiguren aus Beton von August Bischoff sind über die Durchfahrt gesetzt. Sie symbolisieren Handel und Arbeit. Wegen der Zahnräder, auf die sich eine Figur stützt, werden sie im Volksmund gern auch „Käs-Roller“ genannt.

Am Eckgebäude Canthalstraße wurde eine kleine Puttenfigur mit Boot und Anker, signiert von Otto Craß, als Hinweis auf die Schifffahrt platziert.

Wohnen auf engstem Raum

Unmittelbar nach der Eröffnung des Mainhafens datiert der Baubeginn der Großsiedlung am Hafenplatz, wo auf engstem Raum eine Vielzahl von Unterkünften entstand. Allein im Torbau 24 Zweizimmer-, 67 Dreizimmer- und acht Vierzimmerwohnungen. Als Baumaterial für den vier- bis sechsgeschossigen Wohnbau wählte man Betonziegel und Schlackesteine. Die Zwischenwände wurden zur flexibleren Innennutzung der Wohnungen in Leichtbauweise errichtet.

Nach einer zeitgenössischen Bewertung von 1929 wurden die Gebäude „entsprechend dem modernen Siedlungsgedanken“ konzipiert und besaßen als Zeichen eines gesteigerten Wohnkomforts „große Fenster, Balkons, Einzel- und Gemeinschaftsbäder und zum Teil Etagenheizungen“. Zum ersten Mal wurde in Hanau ein großes Flachdach gebaut. Grund: Alle Mansarden, Kammern und Trockenböden hatten dadurch gerade Decken und Wände. Sie boten somit die Möglichkeit, die Mansarden auch als Fremden- oder Kinderschlafzimmer zu verwenden.

Wände zum Herausnehmen

Der Überbrückungstrakt über der Hauptzufahrt zum Hafen wurde hingegen ganz aus Eisenbeton erstellt und sollte später Büroräume und ein Restaurant aufnehmen. Daher wurden auch hier leicht entfernbare Zwischenwände eingezogen. Nach der Teilzerstörung 1945, die vor allem Obergeschosse, Innenwände sowie die hafenseitigen Fassaden betraf, erfolgte der zügige Wiederaufbau bis etwa 1950 in Anlehnung an den erhaltenen historischen Bestand.

Die Gebäude sind nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz als Gesamtheit eingestuft, während der Hafenplatz selbst dort nicht als Gesamtanlage ausgewiesen ist.

Hafenplatz Hanau: Ein Wohnblock als Denkmal der Arbeit

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