Hafenplatz Hanau: Schlechte Lage, viel Leerstand

Gepostet am Aktualisiert am

Von Ute Vetter
(Frankfurter Rundschau, 18. März 2010)

Die Sanierung der monumentalen Wohnanlage am Hafentor würde schon in der Minimalversion Millionen kosten. Selbst die Baugesellschaft als Eigentümer spricht von einer schwierigen Immobilie. Foto: Monika Müller

Der Hafenplatz mit seinem monumentalen Kulturdenkmal Hafentor ist nur auf den ersten Blick eine Augenweide in dem an architektonischen Schätzen sonst eher armen Hanau. Längst ist er durch seine städtebauliche Behandlung kein prächtiger Platz mehr.

Auch die Substanz der 154 Wohnungen der städtischen Baugesellschaft in der Gesamtanlage, inklusive Westerburg- und Hafenstraße, lässt zu wünschen übrig. Bereits 44 Wohnungen stehen trotz des niedrigen Mietzinses von rund 4,20 Euro pro Quadratmeter leer und gelten als schwer vermietbar aufgrund der Lage oder veralteten Ausstattung.

Stets belegt sind die vier Notunterkünfte für Menschen, die vorübergehend wohnungslos sind. Nur wenige Mieter haben Geld in die Ausstattung gesteckt. Geschäftsführer Jens Gottwald sagt offen: „Eine schwierige Immobilie“. Eine Sanierung allein der Bäder, der Energetik oder der Trittschalldämmung würde einen mehrstelligen Millionenbetrag erfordern: „Wer soll das nachher bezahlen?“ Seine GmbH hat rund 4500 Wohnungen im Bestand.

Stadt hat Angst vor öffentlichem Protest

Stadtrat Axel Weiss-Thiel (SPD) betont auf die Frage nach dem Sanierungsbedarf: „Wir befinden uns in der Phase der Bestandserfassung.“ Nichts fürchtet der Sozialdezernent derzeit mehr als öffentliche Proteste der Bewohner – so wie damals, als die Mieter in der Französischen Allee in der Innenstadt im „Wettbewerblichen Dialog“ plötzlich erfuhren, dass ihre preiswerten Wohnungen abgerissen und durch schicke Neubauten ersetzt werden sollten.

Denn gleichzeitig wurde publik, dass die Baugesellschaft die Sanierung der Wohnungen zwar jahrelang versprochen, aber nie erledigt hatte. Diese Untätigkeit fiel in die Ära des Gottwald-Vorgängers Carl Edward Günther, der noch heute als zweiter Geschäftsführer fungiert.

Weiss-Thiel gibt zu, dass sich der Aufsichtsrat „grundsätzliche Gedanken“ über die Zukunft der Immobilie machen müsse. Mietverträge seien aber nicht gefährdet. Gottwald denkt wegen der Lage (pro Tag tosen über 20.000 Fahrzeuge über die B45) sogar an Zukunftsvisionen wie eine Großraum-Disco oder den Abriss der Häuser Westerburgstraße. Weiss-Thiel stimmt zu: Es gebe keine Infrastruktur, kaum Parkplätze, viel Lärm. Der Verkehrsknotenpunkt sei nicht zu verlagern.

Tatsächlich ist der Hafenplatz nördlich durch den Damm der Frankfurt-Bebraer Eisenbahn von der City abgetrennt. Die Durchfahrt in diese Richtung, die zwei zweigleisige Eisenbahnstrecken der westlichen Zufahrt zum Hauptbahnhof unmittelbar hintereinander unterquert, wirkt wie ein Tunnel. Nur eine Anwohnergemeinschaft fühlt sich durch den Lärm nicht gestört: Der Gehörlosenverein hat sein Domizil hier.

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