(OP-Online, 09.September 2015)Vor den Sommerferien wurde mit der Sanierung der maroden Wohnblocks an der Westerburgstraße begonnen. Die Eingänge werden in den rückwärtigen Bereich (Bild) verlegt. Im Oktober soll nach der Renovierung die ersten Hausbegehungen stattfinden.Vor den Sommerferien wurde mit der Sanierung der maroden Wohnblocks an der Westerburgstraße begonnen. Die Eingänge werden in den rückwärtigen Bereich (Bild) verlegt. Im Oktober soll nach der Renovierung die ersten Hausbegehungen stattfinden. © Spindler

Hanau – Sie galten lange als Schandfleck: Die Wohnblocks an der Westerburgstraße. Vor den Sommerferien hat die städtische Baugesellschaft als Eigentümer mit der Gebäudesanierung begonnen.

Von Christian Spindler 

Die Wohnungen sollen in einem für Hanau einzigartigen Modell zu einem konkurrenzlos günstigen Preis vermietet werden. Dabei setzt man freilich auf die Eigenleistung der Mieter. „Die Anlage lag mir schon lange im Magen“, sagt Jens Gottwald, der Chef der städtischen Baugesellschaft über die einstige so genannte Großwohnsiedlung. Im rückwärtigen Teil zeigt er auf eine der künftigen Hauseingänge und auf ein Stück freigelegtes Mauerwerk. „Alles alte Bausubstanz.“ Das mittlerweile denkmalgeschützte Ensemble war in den 1920er Jahren nach der Eröffnung des Mainhafens gebaut worden und galt als Mustersiedlung, in der Arbeiter, Angestellte und Beamte im Hafengebiet gemeinsam wohnten. Davon ist nichts geblieben. Heute leben Menschen mit wenig Geld in den unansehnlichen Blocks am Hafenplatz, wo der Verkehr tost. 20.000 Autos fahren täglich vorbei. Nur gut die Hälfte der 65 Wohnungen in dem langgezogenen Teil zwischen Canthalstraße und Hafentor, der im ersten Abschnitt nun saniert wird, sind belegt.

Nach dem langen Niedergang soll der Immobilie, die nach der teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg um 1950 wieder aufgebaut worden war, neues Leben eingehaucht werden. Dafür hat die Baugesellschaft, wie berichtet, ein für Hanau neues Modell initiiert. Derzeit werden am Wohnblock an der Westerburgstraße die Fassaden in Beige- und Brauntönen renoviert, das Dach wird instandgesetzt, ebenso die Treppenhäuser und die allgemeine Haustechnik. Dazu werden die Wohnungstüren ausgetauscht. Wichtiges Element: Die Hauseingänge werden von der Westerburgstraße auf die ruhigere rückwärtige Gebäudeseite verlegt. Auch die dortigen kleinen Balkone, ein Gestaltungselement aus den 20ern, „bekommen nach der Betonsanierung ein neues Metallgitter mit Sichtschutz“, sagt Gottwald. 1,4 Millionen Euro investiert die Baugesellschaft in den ersten Sanierungsabschnitt, der den derzeitigen Bewohnern zuvor bei einer Mieterversammlung vorgestellt wurde.

Das Konzept des Sanierungsmodells: Während die Baugesellschaft alles bis zur Wohnungstüre herrichtet, sind die neuen Mieter für die Sanierung der Wohnungen selbst verantwortlich und entschieden beispielsweise auch, ob sie eine Gasetagenheizung oder Holzöfen installieren. Die Wohnungen bekommen Mieter dafür zum günstigen Preis von nur 3,50 Euro pro Quadratmeter. Wer mehr Ausbaustandard will, kann entsprechende Pakete dazu buchen – „allerdings dann zu einem höheren Mietpreis“, so Gottwald. Bei einem späteren Auszug aus triftigem Grund können Bewohner Innenausbau-Ausgaben zumindest erstattet bekommen.

Das Hafenplatz-Modell stößt offenbar auf Interesse. Gottwald: „Wir haben schon elf Bewerbungen und zahlreiche Anfrage, ohne dass wir Anzeigen geschaltet hätten“. Nur am Haus weist ein Banner auf die Wohnungen hin. Im zweiten Abschnitt soll auch der Bereich am Hafentor saniert werden. Dort sollen sich nach Vorstellungen der Baugesellschaft Künstler mit ihren Ateliers einmieten. Mit diesem Ziel korrespondiert auch eine Idee Gottwalds für die Gestaltung der nun nicht mehr benötigten Eingangsportale an der Westerburgstraße: Er will dazu einen Kunstwettbewerb ausloben.

OP-Online: Wohnungen für Heimwerker

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