Günstiger Wohnraum für Heimwerker und Künstler

Gepostet am Aktualisiert am

(Hanauer Bote, 09. Dezember 2014)

Hanauer Botes Foto.
Hanauer Botes Foto.

Baugesellschaft will bei Hafenplatz-Sanierung neue Wege gehen: Wer selbst werkelt, spart Geld

Hanau (jus). Zwei große Steinfiguren, die in die Ferne blicken, darüber der Schriftzug „Mainhafen Hanau“ und darunter der große Wohnkomplex Hafenstraße, Hafenplatz, Westerburgstraße und Canthalstraße: Die städtischen Liegenschaften sind das Tor zum Hafen und ein Wahrzeichen der Stadt, allerdings keines, auf das man so richtig stolz ist. Die Wohnanlage aus den 1920er Jahren bedarf dringend einer Sanierung. Hohem Leerstand und Instandsetzungsstau soll nun entschlossen entgegengetreten werden. Wie dies aussehen soll, stellten OB Claus Kaminsky und der Geschäftsführer der Baugesellschaft Hanau, Jens Gottwald, am vergangenen Donnerstag bei einer Pressekonferenz vor Ort vor. Die Idee: Günstige Mietpreise für alle die, die im Gegenzug bei der Renovierung selbst Hand anlegen.

Mit eigenen Badezimmern in den Wohnungen und für die damalige Zeit großen Fenstern gehörten die Wohnungen rund um den Hafenplatz einst zu einem herausragenden Wohnkomplex. Gemessen an heutigen Standards jedoch sind sie in die Jahre gekommen, dringend sanierungsbedürftig und auch was die Verkehrssituation anbelangt alles andere als günstig gelegen. Über Jahre haben sich Stadt und Baugesellschaft Gedanken gemacht, was mit dieser Wohnanlage nun passieren soll. Das Ergebnis: „Wir wollen sanierungsbedürftigen Wohnraum, der sich hier auftut, künftig Mietern preisgünstig überlassen, wenn diese im Gegenzug selbst mit anpacken“, erklärte Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Konkret heißt das, dass die Wohnungen von der Baugesellschaft entkernt sowie neue Wasser- und Stromleitungen verlegt werden.

Mieter übernehmen Rohbau

Alle darüber hinausgehenden baulichen Maßnahmen liegen beim Mieter, der die Wohnung als Rohbau übernimmt. Dafür erhält er im Gegenzug einen preiswerten Mietpreis mit langfristiger Vertragslaufzeit. „Wir gehen momentan von einem Quadratmeterpreis von 3,50 Euro pro Quadratmeter aus“, erläuterte Jens Gottwald. Für Menschen mit durchschnittlich ausgeprägtem handwerklichen Geschick dürfte dies ein interessantes Angebot sein, hofft er.
Als die Überlegungen zur Zukunft der Wohnanlage begannen, hätten zunächst viele Optionen im Raum gestanden, auch ein Abriss war eine der diskutierten Möglichkeiten, sei am Ende jedoch verworfen worden. Eine Kernsanierung der Gesamtanlage käme derweil angesichts der damit verbundenen Kosten von mindestens 15 Millionen Euro nicht infrage. Nun haben sich die Verantwortlichen für das „Szenario günstig“ entschieden, bei dem die Mieter selbst bei der Renovierung gefragt sind. 160 Wohneinheiten mit einer Gesamtwohnfläche von 9.680 Quadratmetern gehören zum Areal Hafenplatz und Westerburgstraße. Von den 160 Wohnungen hier stünden derzeit gut ein Drittel leer, wie Gottwald berichtete.
Schon im ersten Quartal 2015 solle das Projekt mit der Entkernung der leerstehenden Wohnungen beginnen, wie Claus Kaminsky ankündigte. Ab April stünden Fassadenneugestaltung und Dachsanierung auf dem Programm, außerdem sollen die Hauseingänge auf die verkehrsruhige Rückseite der Anlage verlegt, daneben Treppenhäuser und Dachböden instand gesetzt werden. Der erste Bauabschnitt mit dem Schwerpunkt Wohnen (Canthalstraße 1 und Westerburgstraße 1 bis 6) solle bis Dezember 2015 abgeschlossen sein. In den aktuell vermieteten Wohnungen solle ebenfalls eine Grundsanierung der Versorgungsleitungen erfolgen, darüber hinaus werde sich hier aber vorerst nichts ändern.

Arbeiten, Ausstellen, Wohnen

Der zweite Bauabschnitt umfasst die Bereiche Hafentor und Hafenplatz. Hier wolle man neben handwerklich begabten Menschen vor allem eine Zielgruppe ansprechen: Künstler, die hier wohnen und arbeiten wollen. Hier könnten nach ersten Vorstellungen vor allem im Erdgeschoss große Räume geschaffen werden, die Möglichkeiten für gemeinsame Ausstellungen böten, entsprechende Werkstätten könnten sich daran anschließen, und im ersten Stock gäbe es schließlich Platz für Wohnraum. Auch die Einrichtung einer Dachterrasse über dem Hafen-Schriftzug sei möglich, erste Ideen für eine entsprechende Umsetzung gäbe es schon, bis zu einer konkreten Umsetzung werde es aber noch eine Weile dauern. „Das hier soll keine Hau-Ruck-Aktion, sondern nach und nach umgesetzt werden“, stellte Gottwald fest. Ein neues Farbkonzept für die Gesamtanlage sowie eine entsprechende Umgestaltung des Außenbereichs sei ebenfalls noch in Planung. „Wir wollen die Immobilie wieder zum Leben erwecken, und ich bin überzeugt, dass uns dies gelingen wird“, fasste er zusammen. Und jene, um die es hier geht, sollen bei den Planungen mit einbezogen werden. So habe es bereits Gespräche mit verschiedenen Hanauer Künstlern gegeben, speziell mit Mike Raven vom Hanauer Kulturförderverein Barbizz. Er freue sich sehr darüber, dass diese Idee seitens der Baugesellschaft an die Hanauer Künstler herangetragen worden sei und bekundete bereits jetzt ein reges Interesse der Hanauer Kunstschaffenden an dieser Idee. „Es gibt nicht viele Orte, wo so etwas möglich ist, und nicht viele Städte, die so einen Raum zur Verfügung stellen können. Das kann hier etwas richtig Großes werden“, so Raven. Vor allem das Gemeinschaftsgefühl unter den Künstlern, das in einer solchen Lage entstehen könnte, habe einen großen Reiz und könne zu einer echten Sogwirkung führen. Momentan seien die Künstler über die ganze Stadt verteilt, am Hafenplatz sei die Entstehung eines richtigen Künstler-Kollektivs möglich.
„Das Areal am Hafenplatz gehört mit seiner prominenten Lage zu den prägendsten unserer Stadt“, so OB Kaminsky. Mit den vorgestellten Ideen hoffe auch er dafür zu sorgen, dass dieses sich wieder zu einem lebhaften und repräsentativen Fleckchen Hanau entwickelt, das in Zukunft vielen Mieterinnen und Mietern ein schönes Zuhause und vielleicht auch einen guten Raum zum Arbeiten bietet.

Hanauer Bote: Günstiger Wohnraum für Heimwerker und Künstler

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