Günstiges Wohnen für Heimwerker

Gepostet am Aktualisiert am

 Von 

(Frankfurter Rundschau, 04. Dezember 2014)

Der historische Wohnkomplex am Hafentor in Hanau.  Foto: Monika Müller

Die Baugesellschaft Hanau und Mieter werden die Siedlung am Hafenplatz gemeinsam sanieren. In dem denkmalgeschützten Gebäuderiegel, in dem viele Wohnungen leer stehen, sollen Künstler einziehen.

Der seit Jahren vorherrschende hohe Leerstand, rund 30 Prozent, im rund 200 Meter langen Wohnkomplex am Hafenplatz soll nach einem Plan der Baugesellschaft Hanau (BGH) bald ein Ende haben. Der denkmalgeschützte und heruntergekommene Gebäuderiegel aus den 1920er- Jahren soll saniert werden. Die BGH schlägt deshalb den Weg ein, dass künftige Mieter selbst ihre Wohnung sanieren und modernisieren.

In dem Hafentor-Haus mit seinem markanten Arbeiterdenkmal soll eine neue Klientel einziehen. Künstler könnten dort ihre Heim- und Arbeitsstätte finden. Dem dortigen Bosnischen Verein und dem Gehörlosen Verein ist bereits gekündigt worden, so Gottwald. Es gebe Gespräche für Ersatzräume.

Eine Komplettsanierung mit Entkernung des gesamten Bauwerks durch die Baugesellschaft würde mindestens 15 Millionen Euro kosten. Die daraus resultierenden Mieten seien jedoch ob der Insellage zwischen Bahnlinie, hochfrequentierter Straße und Hafengebiet nicht zu erzielen, sagte Gottwald. Alle 160 Wohnungen, gleich ob belegt oder nicht, sollen aber neue Versorgungsleitungen für Strom und Wasser erhalten. Zudem sollen die Hauseingänge von der stark befahrenen Westerburgstraße auf die Gebäuderückseite verlegt werden.

Das sei vor allem sicherer, so Gottwald. Bislang befinden sich die Eingänge dicht an der Straße, wo täglich bis zu 20 000 Autos vorbeifahren. Voraussichtlich Ende 2015 werden die Arbeiten beendet sein, hieß es. In dieser Zeit würden auch Dachböden gedämmt, Treppenhäuser und Fassaden neu angelegt.

Niedriger Preis für Wohnungen im Rohbauzustand

Leerstehende Wohnungen in dem Trakt entlang der Westerburgstraße werden an künftige Mieter im Rohbauzustand übergeben, sagte gestern BGH-Geschäftsführer Jens Gottwald bei der Vorstellung der Pläne. Das heißt, die knapp drei Meter hohen Wände sind ohne Tapeten, Türrahmen und -blätter – so wie sie der Vormieter hinterlassen hat. Die Miete soll dafür bei 3,50 bis vier Euro pro Quadratmeter liegen. Die Mindestvertragslaufzeit kann fünf oder mehr Jahre betragen, sagte Gottwald. Für talentierte Heimwerker biete sich somit eine günstige Wohnung.

Allerdings scheint diese Rechnung nur aufzugehen, wenn die Ansprüche an den Wohnkomfort nicht am heutigen Standard gemessen werden. So werden die Räume noch von Öfen geheizt. Die Mieter in spe können sich Holz- oder Gasöfen oder eine Gasetagenheizung einbauen, benennt Gottwald die Optionen. Wer nicht auf nacktem Beton seine Teppiche ausbreiten möchte, muss auch in einen Bodenbelag investieren. Zumal der Trittschallschutz nach früheren Angaben der BGH nicht der heutigen Norm entsprechen soll.

Bei einem vorzeitigem Auszug soll das in die Sanierung gesteckte Geld dem Mieter nicht verloren gehen. Die Investition werde nach Abzug einer Abnutzungspauschale ausgezahlt. Der neue Mieter bekommt dann jedoch nicht mehr den günstigen Zins in seinen Vertrag geschrieben. Gottwald sprach auf Nachfrage von einer möglichen Erhöhung auf fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter.

Bei den früheren Hafenbeamten-Wohnungen im Torhaus besteht für die künftigen Nutzer die Option, dass die Baugesellschaft die Sanierung übernimmt, was die Miete aber gleich verteuert.

Für den Torbau soll auch der Plan Wohnen und Arbeiten für Künstler verwirklicht werden. Bei der Realisierung ist Barbizz, Verein zur Förderung der Stadtkulturentwicklung, einbezogen worden. Vorstand Mike Raven sagte, dass mit Künstlern aus Hanau und Umgebung bis Februar ein Konzept erarbeitet werden soll.

Was möglich ist, zeigte Gottwald in einer Präsentation. So können 48 Wohnungen und auf je 1200 Quadratmeter Galerien sowie Ateliers und Werkstätten entstehen. Hierzu soll die Raumaufteilung im Parterre aufgebrochen werden. Das Torhaus werde zudem einen Aufzug erhalten. Auch sei eine Dachterrasse denkbar.

Gottwald sagte, dass die Ausstellungsräume nicht ausschließlich den Künstlern vorbehalten seien, die im Torhaus ihr Atelier betreiben. „Es kann sich ebenso ein Galerist einmieten.“ Der BGH-Chef gibt sich zuversichtlich, dass das Konzept aufgeht. Künstler aus Offenbach, wo seit geraumer Zeit Ähnliches geboten wird, hätten sich schon über die Möglichkeiten in Hanau erkundigt.

Claus Kaminsky (SPD), Oberbürgermeister und Aufsichtsratvorsitzender der städtischen BGH, sah im Gesamtkonzept eine positive Perspektive für den Gebäudekomplex nach vielen Jahren des Stillstands. Die lang gestreckte Siedlung habe einst als Muster für modernen Wohnungsbau am Tor zur Stadt gestanden. Der prominente Standort des Gebäudes soll künftig sogar mit einem Beleuchtungskonzept in der Nacht hervorgehoben werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s